
Schulbibliotheken begleiten Kinder in die Welt der Sprache, des Lesens und der Medien. Für Gruppen wie Vorlaufkurse, Vorklassen und Schulanfänger*innen wurden neue Praxisbausteine entwickelt, die gezielt auf frühe Sprachbildung, Lesemotivation und Orientierung in der Bibliothek ausgerichtet sind.
Nicht alle Kinder starten unter gleichen Voraussetzungen in ihre schulische Laufbahn. Besonders zu Beginn zeigen sich große Unterschiede im Hinblick auf sprachliche Fähigkeiten, dem Umgang mit Schrift sowie Vorerfahrungen mit Medien. In meiner Arbeit als fachliche Leitung der Schulbibliothek an einer Frankfurter Grundschule erlebe ich das täglich. Insbesondere Kinder aus Vorlaufkursen und Vorklassen stehen dabei vor besonderen sprachlichen und schulischen Herausforderungen, da sie häufig nur geringe Deutschkenntnisse mitbringen und bislang kaum Erfahrungen mit schulischen Lernorten wie der Bibliothek sammeln. Um diesen Kindern das Ankommen in der Schule inklusive der Schulbibliothek zu erleichtern sowie ihnen frühzeitig einen Zugang zur deutschen Sprache und zu Medien zu eröffnen, habe ich im Rahmen meines Praxisprojekts ein Förderangebot für diese Zielgruppe entwickelt.
Ausgangspunkt meines Projekts waren die Frankfurter Praxisbausteine für Schulbibliotheken, eine umfangreiche Sammlung von Materialien zur Förderung von Lese-, Informations- und Medienkompetenz in der Schulbibliothek. Diese richten sich jedoch überwiegend an Kinder ab der ersten Klasse und setzen grundlegende Sprach- und Lesefähigkeiten voraus. Für Kinder in Vorlaufkursen und Vorklassen sind sie daher nur eingeschränkt nutzbar. Ähnliches gilt für die Eingangsstufe sowie Kinder im ersten Schulhalbjahr, die noch am Anfang ihrer schulischen Lernbiografie stehen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, das bewährte Konzept der Frankfurter Praxisbausteine gezielt für diese Zielgruppe zu erweitern. Mein Ziel war es, Bausteine zu entwickeln, die von Beginn an sprachliche Förderung mit dem Kennenlernen der Schulbibliothek verbinden. Es sollten niedrigschwellige Zugänge geschaffen werden, die keine Leseerfahrungen voraussetzen. Die Materialien sind so konzipiert, dass sie flexibel an heterogene Lerngruppen angepasst werden können und unabhängig vom konkreten Medienbestand der Schulbibliothek einsetzbar sind.
Im Laufe des Projekts sind zehn neue Praxisbausteine entstanden. Sie wurden in Aufbau und Gestaltung an die bestehenden Frankfurter Praxisbausteine angelehnt, aber um zusätzliche Elemente wie klar benannte Lernziele und Differenzierungsmöglichkeiten ergänzt. Sieben der Bausteine wurden im Projektzeitraum im Rahmen von elf Veranstaltungen mit Vorlaufkursen sowie einer Vorklasse erprobt und mithilfe eines strukturierten Feedbackbogens evaluiert. Die Rückmeldungen waren positiv und unterstrichen den Bedarf an Materialien für diese Zielgruppe. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Erprobung, dass ein gezielt entwickeltes Angebot zur Sprach- und Leseförderung in der Schulbibliothek gerade für Kinder mit besonderen Startbedingungen eine wertvolle Unterstützung sein kann. Die entstandenen Bausteine sind dabei als erste Grundlage zu verstehen, die in Zukunft durch weitere Materialien ergänzt werden soll, damit alle Kinder, unabhängig von ihren Startbedingungen, die Chance haben, von Anfang an am schulischen Leben teilzuhaben und die Schulbibliothek als inspirierenden Ort für sich zu entdecken.
Projektzeitraum: April 2025 – August 2025
Projektbetreuer*in: Prof. Dr. Anke Petschenka
DOI: https://doi.org/10.59350/jn1vj-16z20
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