
Bestandsrevisionen sind bibliothekarischer Alltag, doch geschehen diese meist regelmäßig. In diesem MALIS-Projekt wurde jedoch ein Bestand bearbeitet, bei dem dies seit mehreren Jahrzehnten nicht geschah. Dabei handelt es sich um den mit 11% größten Bereich des Sachbuchbestands in der LES.BAR58256 (stadtbücherei ennepetal), nämlich den Geschichtsbestand.
Bereits 2018 ist, vorbereitend für den Umzug der Bücherei, eine umfassende Bibliotheksstrategie erarbeitet worden, die eine grundlegende Modernisierung des Sachbuchbestandes vorsah. Pandemie, Leitungswechsel und organisatorische Verzögerungen verhinderten jedoch die Umsetzung.
Ziele des Projekts waren eine deutliche Bestandsreduktion, die optische und inhaltliche Aufwertung, die Erstellung eines Bestands- und Erwerbungsprofils sowie eine stärkere Orientierung an den Interessen der Büchereinutzenden.
In einem Vier-Phasen-Plan wurden eine Bestandsaufnahme, eine Umfrage unter den Büchereinutzenden, externe Hospitationen, Makulatur und Katalogpflege durchgeführt. Hinzu traten gezielte Neuanschaffungen und die Planung einer begleitenden Öffentlichkeitsarbeit. Problematisch waren die durch die angespannte kommunale Haushaltslage eingeschränkten finanziellen Rahmenbedingungen. Letztlich standen 1.000,- € für gezielte Neuerwerbungen zur Verfügung.
Zu Beginn fand die Revision des 1.848 Medien umfassenden Bestandes inklusive Erfassung von Alter, Zustand und Ausleihzahlen seit 1996 statt. Im Ergebnis zeigte sich ein stark überalterter, wenig genutzter und von fehlerhaften Katalogisaten und Standortangaben geprägter Bestand. Anschließend stattfindende Nutzerbefragungen zeigten gemischtes Interesse am Geschichtsbestand und die Bevorzugung aktueller Themen, Biografien, sowie von Büchern zu Neuzeit/Zeitgeschichte, Mittelalter und Deutscher Geschichte. Hospitationen lieferten Impulse zur Medienpräsentation, der Nutzung von Eye-Catchern im Bestand und besserer Gestaltung der Buch- und Regalbeschriftungen.
Letztlich wurden 656 Bücher makuliert, der Gesamtbestand von 1.848 auf 1.137 und der Freihandbestand von 1.427 auf 862 Exemplare reduziert, deren Aufstellung optisch ansprechender gestaltet und das Magazin neu geordnet. Die Auswertung der Nachfrage nach den ersten Neuerwerbungen zeigt positive Tendenzen. Eine umfassendere Evaluation der Ausleihzahlen wird hingegen erst in 2026 stattfinden. Weiterhin wurde ein Erwerbungsprofil erstellt, welches die zuvor gewonnenen Erkenntnisse aufgreift.

Aufgrund des unterschätzten Zeitaufwands der Revision und der schlechten Metadatenqualität konnten nicht alle Projektziele erreicht werden. Finanzielle Restriktionen verhindern bisher radikalere Modernisierungsschritte wie die komplette Umstellung auf Klartext-Signaturen. Die Überarbeitung der Katalogisate und Signaturen ist noch im Gange und auch die Öffentlichkeitsarbeit noch nicht abgeschlossen.
Fazit: Die Kernziele des Projekts wurden, mit Einschränkungen, erreicht. Langfristig sollen das Ergebnis des Projekts sowie die daraus resultierenden Erfahrungswerte in ein umfassendes Erwerbungs- und Bestandsprofil der gesamten Sachbücherei eingebettet werden.
Projektzeitraum: März 2025 – August 2025
Projektbetreuer*in: Meheddiz Gürle
DOI: https://doi.org/10.59350/fmf13-98307
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