Entwicklung einer Anleitung für die Objektfotografie am Oberschlesischen Landesmuseum

von Katharina Gucia-Klassen

Abbildung 1: Teaserbild (Quelle: Freepik.com)

Fotos von musealen Objekten in virtuellen Portalen gewähren einen Einblick in Museumssammlungen und ermöglichen kulturelle Teilhabe. Aber auch für die interne Museumsarbeit sind Objektfotos bedeutsam. Sie liefern den Mitarbeiter*innen wichtige Informationen über die Sammlung und ermöglichen die Erschließung und Erforschung von Objekten. Zudem dokumentieren Fotos den Erhaltungszustand der Objekte – das Vorhandensein von Bildern kann die Objekte sogar schützen, da diese für die Ermittlung von Eigenschaften nicht mehr bewegt werden müssen und sicher im Depot verwahrt bleiben. Weitere Nutzen der Fotos bestehen in der Verwendung für die Öffentlichkeitsarbeit, auf Webseiten, in Publikationen oder digitalen Sammlungen. Um die Mitarbeiter*innen bei der Anfertigung von Objektfotos zu unterstützen, wurde innerhalb des Praxisprojekts eine Anleitung erstellt, die die Arbeitsschritte Schritt für Schritt erläutert.

Die Objektfotografie ist ein wichtiger Bestandteil der Museumsdokumentation. Doch gerade kleineren Museen mit wenigen Mitarbeiter*innen fehlen oft die Ressourcen, um Objektfotos zu erstellen, die den zuvor genannten Anforderungen entsprechen. Nicht nur wird hierfür ausreichend Zeit benötigt, auch die technische Ausstattung und Bildbearbeitungssoftware sowie Kenntnisse der Fotografie sind erforderlich. Sind diese Bedingungen nicht gegeben, besteht das Risiko, dass keine oder Fotos in unzureichender Qualität angefertigt werden. „Ein Foto ist besser als kein Foto“, könnte man meinen. In gewisser Weise stimmt das, doch auch hier gibt es Unterschiede. Ein unscharfes oder farbuntreues Bild offenbart wenig nutzbare oder verfälschte Informationen über ein Objekt. Der Aufwand, einzelne Objekte oder gar ganze Sammlungen nachträglich zu fotografieren, ist enorm und erfordert auch organisatorische Vorkehrungen.

Um die Sammlung des Oberschlesischen Landesmuseums vor Ort fotografieren zu können, wurde im Rahmen eines Projekts eine Fotostation eingerichtet, die aus verschiedenen, flexibel einsetzbaren Modulen besteht. Diese ermöglichen es, Fotografien „on location“ in Ausstellungen zu fotografieren, aber auch Aufnahmen in Depoträumen anzufertigen. Damit wurde einerseits auf die räumlichen Gegebenheiten reagiert (ein ausreichend großer Raum für die Einrichtung eines Fotostudios war nicht vorhanden) und andererseits müssen die Objekte so nicht weit transportiert werden.

Den Prozess der Anfertigung von Fotografien dokumentiert ein Workflow, der im Rahmen des MALIS-Praxisprojekts erstellt wurde. Er beinhaltet die einzelnen Schritte und berücksichtig hier schon die Vorbereitung eines „Shootings“. Denn der Prozess beginnt nicht erst mit dem Betätigen des Kameraauslösers, sondern sollte bestenfalls gut durchdacht sein. Im Vorgang muss eine Auswahl der Objekte getroffen werden (z.B. nach Kriterien wir Größe oder Materialbeschaffenheit), um eine effiziente Durchführung zu gewährleisten. Auch sollten die Objekte sortiert und gekennzeichnet werden und das nötige Zubehör, wie Graukarten oder Farbkeile, bereitgelegt werden. Im Zuge der Fotografie können die Objekte genauer erschlossen werden, wenn Daten fehlen.

Abbildung 2: Screenshot eines Videos für die Projektpräsentation. Hier zu sehen ist ein Fototisch, der in einer Ausstellung aufgebaut wurde. (Quelle: Katharina Gucia-Klassen)

Bei der Festlegung der technischen Parameter der Fotokamera, wie der Wahl des Dateiformats und des Farbprofils, wurden die Praxisregeln Digitalisierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Empfehlungen des Deutschen Museumsbunds berücksichtigt. Spezifische Aspekte der Fototechnik, die bei der Objektfotografie zu beachten sind, vermittelten u.a. die Video-Tutorials des Museumsverbands des Landes Brandenburg e.V.

Ein sehr umfangreicher Arbeitsschritt erfolgt nach der Fotografie der Objekte. Die Bilddaten müssen sicher gespeichert, ggf. bearbeitet und in Dateiformate konvertiert werden. Dabei muss beachtet werden, dass umfangreiche Bildbearbeitungen nur an der RAW-Datei vorgenommen werden können, für die langfristige Speicherung eine TIFF-Datei und für die Webpräsentation eine komprimierte JPG-Datei erstellt werden sollen. Der Schritt der Bildbearbeitung umfasst auch die Erstellung der Metadaten für die Bilddatei im IPTC-Format. Diese beinhalten Angaben zur Urheberschaft des Fotos, wie den Namen des Museums und die Nutzungslizenz und Informationen zum Bildinhalt. Diese Angaben können in einem Bildbearbeitungsprogramm ergänzt werden. Hierfür kann eine Metadatenvorlage erstellt werden und die enthaltenen Informationen auf mehrere Bilder angewendet werden. Die IPTC-Metadaten sowie die automatisch gespeicherten EXIF-Daten der Kamera werden bei einem Import der Bilder in die vorhandene Sammlungsdatenbank automatisch ausgelesen und gespeichert. Im letzten Schritt müssen alle Bilddateien in einer festgelegten Struktur auf externen Speichermedien gesichert werden.

Durch die Dokumentation des gesamten Prozesses und die an verbreiteten Digitalisierungsstandards orientierte Festlegung von Kriterien, wird die Qualität der Objektfotos gesichert und die nachhaltige Nutzbarkeit ermöglicht. Die Anleitung soll dazu dienen, dass die Anfertigung von Fotos stets dem festgelegten Ablauf folgt. Zudem kann sie als Instrument des internen Wissensmanagements genutzt werden, indem sie Mitarbeiter*innen das nötige Know-How vermittelt und auch bei der Einarbeitung neuer Kolleg*innen unterstützen kann. Es wurde darauf geachtet, die Informationen möglichst „kompakt“ und aufeinanderfolgend darzustellen.

Die Anleitung bietet Potenzial für eine Weiterentwicklung und kann bei Bedarf ergänzt werden. Hierfür bietet es sich an, die Anleitung z.B. in ein Wiki umzuwandeln, sodass die Änderungen nachverfolgt und zugänglich sind.

 

Projektzeitraum: Mai 2022 – August 2023
Projektbetreuer*in: Prof. Dr. Mirjam Blümm
Kontakt: katharinagucia@googlemail.com

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