
Bibliotheken stehen regelmäßig vor der Aufgabe, ihre Bestände kritisch zu prüfen. Besonders dringlich kann die Bestandsdurchsicht dann werden, wenn räumliche Veränderungen bevorstehen. Die Diözesanbibliothek Aachen sieht sich im Zuge eines Magazinumzugs mit der Situation konfrontiert, dass der vorhandene Magazinbestand die Kapazität des neuen Raums übersteigt. Rund 600 laufende Meter – etwa 18.000 Medien – müssen trotz neuer Compactus-Anlage aus den bestehenden 5.700 Laufmeter Magazinbestand ausgesondert werden.
Mit dieser Zielvorgabe arbeiten sowohl das Kernteam als auch engagierte Unterstützungskräfte gemeinsam daran, diese Herausforderung zu bewältigen. Im Rahmen des MALIS-Projektes wurde ein Abschnitt der Aussonderung begleitet. Ziel war es zu prüfen, welche Materialien und Begleitung es braucht, um eine möglichst effiziente Aussonderung in einem gemischten Team aus Bibliothekar*innen und Aushilfskräften zu gewährleisten.
Im Rahmen des Projektes wurde ein Aussonderungsleitfaden entwickelt, erprobt und schrittweise optimiert. Der Prototyp des Leitfadens enthielt Hintergrundinformationen, praktische Anleitungen, Aussonderungskriterien und eine Vorlage zur Dokumentation. Ziel war es, die Abläufe so transparent und einheitlich zu gestalten, damit sowohl Mitarbeitende mit geringer zeitlicher Verfügbarkeit als auch Unterstützungskräfte konsistent arbeiten können. Bereits erste Erprobungen zu Beginn des Projektes zeigten jedoch, dass eine komprimierte Darstellung der Inhalte geboten ist: Hintergrundinformationen sollten mündlich gegeben werden, während eine präzise Schritt-für-Schritt-Anleitung von der Aussonderungsentscheidung bis zur Deakzession sowie eine übersichtliche Darstellung der Aussonderungskriterien den größten Nutzen brachten.
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Aussonderungskonzept. Es hat sich herausgestellt, dass eine Fokussierung auf die wesentlichen Informationen sowie eine leser*innenfreundliche Darstellung die Kernkriterien für ein gutes Aussonderungskonzept sind. Außerdem zeigte sich, dass bei einem komplexen, historisch gewachsenen Bestand immer wieder neue Fachgebiete in der Sammlung gefunden werden, die sukzessive in das Aussonderungskonzept zu ergänzen sind.
Die Aussonderungsarbeiten durch Aushilfskräfte unterstützen zu lassen erwies sich als sehr erfolgreich. Insgesamt konnten durch die Unterstützungskräfte in ungefähr 100 Stunden ca. 75 Laufmeter erfolgreich aus dem Bestand ausgesondert werden. Eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, die Möglichkeit zu kurzfristigen Absprachen und eine Präsenz der Leitung erwiesen sich als Schlüsselfaktoren für das Gelingen dieses Projektes.
Zuletzt hat es sich als äußerst fruchtbar erwiesen, Initiativen aus dem Team Raum zu geben. So wurde auf Betreiben der Mitarbeitenden ein Büchertisch eingerichtet, in dem ausgewählte Medien gegen eine freiwillige Spende an Nutzer*innen abgegeben werden.

Projektzeitraum: Juni 2025 – Juli 2025
Projektbetreuer*in: Prof. Dr. Simone Fühles-Ubach
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