Über 40 Jahre Vereins- und Zeitgeschichte: Digitalisierung und Erschließung des Briefs aus dem HAUS SCHLESIEN

Abbildung 1: Entwicklung des Layouts über die Jahre, unten links die erste Ausgabe (Quelle: Florian Paprotny | HAUS SCHLESIEN)

Das HAUS SCHLESIEN in Königswinter-Heisterbacherrott ist ein lebendiger Begegnungsort für alle, die sich für die Kultur und Geschichte Schlesiens interessieren. Getragen vom gemeinnützigen Verein HAUS SCHLESIEN, der 2023 sein 50-jähriges Jubiläum feierte, erfüllt das im Haus beheimatete Dokumentations- und Informationszentrum den Satzungszweck: Schlesisches Kulturgut zu sammeln, bewahren und zugänglich zu machen. Dieses Ziel hatte auch das MALIS-Projekt, bei dem die hauseigene Zeitschrift, die inzwischen selbst schon schlesisches Kulturgut ist, digitalisiert und mit Lingo inhaltlich erschlossen wurde.

Das Vereinsmedium „Brief aus dem HAUS SCHLESIEN“, das 1982 erstmals erschien, ist ein Spiegel der Arbeit des Hauses. Was als schlichter Mitgliederbrief begann, hat sich zu einer umfangreichen Zeitschrift entwickelt, in der Ausstellungen, Tagungen, internationale Kooperationen und das Vereinsleben aus über 40 Jahren dokumentiert sind. In der Zeitschrift lässt sich die Geschichte der Einrichtung nachvollziehen, von den bescheidenen Anfängen in den 80er Jahren bis heute. Damit ist sie nicht nur Vereinsgeschichte, sondern auch Zeitgeschichte. Viele der über 150 erschienenen Ausgaben lagen bis dato ausschließlich in gedruckter Form vor. Ziel des Projekts war deshalb, alle Ausgaben bis einschließlich 2024 zu digitalisieren, katalogisieren, inhaltlich zu erschließen und so systematisch durchsuchbar machen. Insgesamt sind das 158 Ausgaben mit rund 2600 Seiten.

Herzstück des Projekts war der Einsatz der Open-Source-Software Lingo, die eine automatische Indexierung auf linguistischer Basis ermöglicht. Damit war ein doppeltes Ziel verbunden: zum einen die praktische Erschließung der Zeitschrift, zum anderen die Erprobung der Methode für ähnliche Bestände. Klar wurde schnell: Automatisierung ersetzt nicht die intellektuelle Arbeit. Besonders Personennamen oder schlesische Ortsbezeichnungen erkennt Lingo nicht ohne vorherige Vorbereitung der Wörterbücher. So floss erhebliche Zeit in die Ergänzung relevanter Begriffe – von Ortsnamen über Ausstellungstitel bis hin zu Körperschaften und Abkürzungen. Eine Herausforderung waren z.B. die schlesischen Städte, die alle mindestens zwei Namen haben, einen deutschen und einen polnischen. Das konnte über Lingos Synonym-Wörterbuch gelöst werden. Insgesamt wurden fast 1500 Einträge in die Wörterbücher eingearbeitet.

Das Ergebnis übertraf die Erwartungen: Mehr als 10.000 für die Verschlagwortung brauchbare Indexterme ließen sich aus den Heften gewinnen, durchschnittlich rund 68 pro Ausgabe. Damit ist die Erschließung wesentlich umfangreicher, als sie bei einer rein intellektuellen Bearbeitung gewesen wäre. Besonders die Qualitätskontrolle und Nachbearbeitung erwiesen sich als zeitintensiv, wobei hier KI-Tools (ChatGPT und Perplexity) eine große Hilfe waren. Für die 158 Ausgaben wurde eine eigene Allegro Datenbank angelegt und die Indexterme getrennt nach Personen, Geografika, Körperschaften und Sachschlagworten per Ausgabe eingepflegt.

Das Projektziel wurde erreicht: Heute liegt der komplette Bestand bis 2024 digital vor, die Datensätze sind durchsuchbar und bilden damit ein wertvolles, erschlossenes Konvolut für die Forschung. Die Lingo-Konfiguration kann für die Folgeausgaben und zur Erschließung thematisch ähnlicher Bestände verwendet werden. Angedacht ist auch, den Gesamtbestand in naher Zukunft online zugänglich zu machen.

 

Projektzeitraum: April 2025 – August 2025
Projektbetreuer*in: Prof. Dr. Klaus Lepsky

DOI: https://doi.org/10.59350/7dw8k-92s16

Dieser Artikel steht unter der Lizenz CC BY.

Autor*in

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert