Retro Style! Workflows und Infrastrukturen zur Digitalisierung, Erschließung und Online-Präsentation historischer Bestände

Abbildung 1: Teilansicht des neuen Scanlabors des DHI Rom (Quelle: Grünewälder, Versaci)

Es gibt sie bereits, die ersten Jubiläen. An der ETH Zürich freut man sich über 15 Jahre e-rara, in München beeindruckt das Digitalisierungszentrum (MDZ) mit seinen nahezu 30 Jahren. Ist Retrodigitalisierung in Bibliotheken also längst eine Selbstverständlichkeit? In der Realität kleinerer Einrichtungen nicht unbedingt. Die Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts Rom (DHI) ist ein Fallbeispiel für die Herausforderungen einer Digitalisierungsstrategie, die große Ambitionen und kleines Budget vereinen muss. Um die Entwicklung pragmatischer Lösungen ging es in dem MALIS-Praxisprojekt.

Das Hauptziel war bei Projektstart klar umrissen: Das eingeholte Feedback der Forschenden und einer externen Evaluationskommission ließen übereinstimmend die Notwendigkeit erkennen, die Forschung durch Digitalisierung von Quellen und Literatur, durch die Herstellung von Maschinenlesbarkeit (Volltext, XML-Auszeichnung), Metadatenerschließung und die standardgerechte, interoperable Bereitstellung der Digitalisate zu unterstützen. Die Bibliothek fügte dem ihrerseits einen konservatorischen Auftrag zur Erhaltung der Originale hinzu und machte auch einen rechtlichen Klärungsbedarf aus. Die deutschen Vorgaben einer Open-Access-Publikation stehen nicht selten im Spannungsverhältnis zu restriktiven Kulturschutzvorgaben des Gastlands.

Damit waren die Kompetenzen benannt, die es im Projektteam brauchte. Eine bunte Truppe, denn die Bibliothek als Projektträger wurde maßgeblich unterstützt durch Kolleg*innen der IT, der Digital Humanities und der wissenschaftlichen Fachabteilungen. Extern sprangen diesem Kernteam eine Fachanwältin für die Klärung der Rechtsfragen und eine Buchrestauratorin zur Seite. Alles getragen von einer verbindenden Projektidee: Am Beispiel der von den Forschungskolleg*innen ausgewählten Bestände als erstem Use Case sollte der Workflow prototypisch entwickelt und erprobt werden. Wo die eigenen Möglichkeiten und das Projektbudget an Grenzen stießen und mit dem Aufbau eines Scanlabors auch bald ausgereizt waren, gewannen bibliothekarische Verbund- und Beratungsstrukturen an Bedeutung. Stellvertretend sei das römische Bibliotheksnetzwerk URBiS genannt, ein Zusammenschluss von 23 in Rom ansässigen Forschungsbibliotheken, die sich Infrastrukturen und Knowhow teilen.

Abbildung 2: Digital Collection Plattform des DHI Rom dlib.dhi-roma.it (Quelle: Grünewälder)

Das infrastrukturelle Herz des Projekts schlägt seit Sommer 2025 in Form eines IIIF-Servers. Unter der Adresse https://dlib.dhi-roma.it präsentiert er das neue Digital Collections-Portal – eröffnet mit einer unikalen musikhistorischen Sammlung als Pilotbestand. Seitdem erreichen das Projektteam zahlreiche Digitalisierungsvorschläge aus der Forschung, neue gemeinsame Initiativen nehmen Gestalt an. Eine erste digitale Ausstellungsserie ist bereits in Vorbereitung und soll die digitalen Bestände einem breiteren Publikum zugänglich machen. Frei nach Sepp Herberger: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

 

Projektzeitraum: Februar 2025 – August 2025
Projektbetreuer*in: Adrian Pohl

DOI: https://doi.org/10.59350/q5qdb-k2e70

Dieser Artikel steht unter der Lizenz CC BY.

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