
Die Fotosammlung des Archivs der sozialen Demokratie (AdsD) umfasst mehr als 300.000 Fotos. Doch das ist nur die Zahl der bereits erschlossenen Motive. Eine deutlich größere Zahl wartet noch darauf, erschlossen und somit für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht zu werden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, gab es daher schon länger Überlegungen, die Erschließungspraxis in den Sammlungen des AdsD und insbesondere in der Fotosammlung anzupassen, um die Erschließungsarbeit zu beschleunigen.
Bisher waren im AdsD die Fotos immer einzeln Motiv für Motiv erschlossen worden. Im Zuge dessen wurde das Foto dann auch gleich digitalisiert. Damit war es auffindbar und konnte ebenso gleich in die Nutzung gehen. Was in der Theorie sehr gut klang, war ein vergleichsweise zeitintensives Vorgehen. Um dies zu beschleunigen, wollte man nun dazu übergehen, Fotos in Gruppen zu erschließen. So zum Beispiel ein ganzes Fotoalbum, einen ganzen Ordner mit Dias oder eine ganze Tasche mit Negativstreifen auf einmal. Die Digitalisierung der einzelnen Motive würde folgen, sobald diese von Nutzerinnen und Nutzern angefragt würden. Dadurch ließe sich in deutlich kürzerer Zeit eine deutlich größere Anzahl von Fotos inhaltlich erschließen und in der Datenbank auffindbar machen. In manchen Teilbeständen hatte es in der Vergangenheit bereits ein solches Vorgehen gegeben.
Um bei der Erschließung ein gewisses Maß an Einheitlichkeit zu gewährleisten, bedarf es grundsätzlich einer Erschließungsrichtlinie. Für diese Form der Gruppenerschließung von Fotos gab es die bisher noch nicht. Die bisherigen Richtlinien waren entweder auf die Erschließung von Akten oder für die beschriebene Einzelfotoverzeichnung entworfen.
Im Rahmen des Projektes, das von April bis August 2025 im AdsD lief, sollte daher nun eine Erschließungsrichtlinie für die Gruppenerschließung von Fotos im AdsD entworfen werden. Die Richtlinie orientierte sich dabei unter anderem an den genannten anderen Erschließungsrichtlinien wie auch an der Gruppenerschließung, die bereits getätigt worden war. Auch würden archivische Erschließungsstandards – in diesem Falle der Standard ISAD G – für die Erstellung maßgeblich sein.

Nun musste diese Erschließungsrichtlinie neben allerlei theoretischen Überlegungen, die zunächst in der Erstellung einer Rohversion geflossen waren, sich aber auch in der tagtäglichen Praxis beweisen.
Um das sicherzustellen, sollte die Richtlinie an einem gewissen Sample an verschiedenen Arten von Fotobeständen erprobt werden. Herausforderung dabei war, das weite Spektrum verschiedener Gattungen von Fotos im Bestand des AdsD abzudecken. So umfasst die Fotosammlung des AdsD nicht nur Fotoabzüge und Negative. Es finden sich darüber hinaus auch Dia-Positive in verschiedenen Ausführungen (gerahmt, ungerahmt, lose oder in Ordnern), Fotos in Fotoalben wie auch eine Vielzahl digitaler Fotos. Und dies alles aus einer Vielzahl von Provenienzen und inhaltlichen Kontexten.
Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte wurde sodann eine Stichprobe aus 25 Objekten gebildet, an der die Richtlinie erprobt werden sollte. Denn, so der Plan, die Richtlinie sollte anhand dieser Erschließungserfahrung kontinuierlich verbessert werden.
Es wurde nun im Zuge der Erschließung die Richtlinie entsprechend überarbeitet. Erst hier in der Praxis zeigten sich einige Fragestellungen, die beim ersten Entwurf der Richtlinie überhaupt nicht bedacht worden waren. Eine davon: Wie geht man mit beschädigtem oder gefährdetem Material wie beispielsweise Negativen aus Zellulosenitrat (Nitrofilm), die hochentzündlich sind, um?

Immer im Austausch mit anderen Kolleginnen, die im Fotobereich tätig sind, wurde die Richtlinie überarbeitet. Neben der Benennung bestimmter Felder blieb auch die Frage der Eingrenzung beziehungsweise Bildung der einzelnen zu verzeichnenden Einheiten zunächst offen. Als all diese Details dann nach mehreren Wochen geklärt werden konnten und die Richtlinie danach noch einige Korrekturschleifen durchlaufen hatte, konnte diese schließlich im August vorgelegt werden. Die Richtlinie wird nun nach Abstimmung mit der Referats- und Abteilungsleitung ihren Weg in die Erschließungspraxis finden und eine Basis für eine einheitliche Erschließung von Fotos in Gruppen liefern.
Projektzeitraum: April 2025 – August 2025
Projektbetreuer*in: Prof. Dr. Klaus Lepsky
DOI: https://doi.org/10.59350/ssn9w-h2d43
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