Wirtschaftswissenschaftliche Faktendatenbanken in der Nutzungsanalyse

von Margit Schön

Reporting-Tool der Datenbankplattform WRDS (Wharton Research Data Service)

Reporting-Tool der Datenbankplattform WRDS (Wharton Research Data Service)

Faktendatenbanken für prozessproduzierte Mikrodaten (sogenannte Business- und Finance-Daten) versorgen die Forscher an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln mit wichtigen Informationen zu Märkten, Unternehmen und Finanzkennzahlen.

Entspricht das über die Jahre gewachsene Datenbankportfolio aktuell noch den Bedürfnissen der Wissenschaftler? Kann die Bibliothek das mit Hilfe einer Nutzungsanalyse herausfinden?

Das hier beschriebene Praxisprojekt (im MALIS-Studiengang der TH Köln unter der Betreuung von Prof. Dr. Simone Fühles-Ubach und Miriam Albers) analysiert die vorhandenen Nutzungszahlen zu den 13 Faktendatenbanken, die an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln derzeit lizenziert werden. Die Untersuchung erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren (2011 – 2015). Ziel des Vorhabens ist es, die Entwicklung der Nutzung der einzelnen Datenbanken quantitativ und qualitativ zu bewerten.

Die Messung der Nutzung einer Ressource ist ein Instrument der Bestandsevaluation und neben der Erfolgskontrolle für die Bestandsentwicklung und dem damit verbundenen Ressourceneinsatz auch ein Akt der Selbstvergewisserung einer Bibliothek über einen zentralen Bereich ihrer Tätigkeit. Darüber hinaus ist sie auch ein wichtiger Aspekt der Kundenorientierung und kann eine Grundlage bilden für die Optimierung von Informationsangeboten und Forschungsinfrastruktur.

Um die zu untersuchende Informationsressource besser einschätzen zu können, mussten zunächst einige allgemeine Übersichten zu den Inhalten und der Lizenzierung erstellt werden. Datenbanken für prozessproduzierte Mikrodaten gehören zur Gruppe der Faktendatenbanken, sie enthalten numerische und statistische Daten. Ihre Inhalte entstammen in der Regel einem nicht primär wissenschaftlichen Hintergrund, sondern entstehen durch Verwaltungsvorgänge in Unternehmen und Betrieben. Mikrodaten zu Abläufen, Produktionsprozessen und –kosten in Unternehmen sind sensible Daten, die wettbewerbsrelevante Informationen enthalten und somit speziell geschützt und nur schwer zugänglich sind. Sie unterliegen in jedem Fall restriktiven Vertrags- und Nutzungsbedingungen.

Das Datenbankportfolio der WiSo-Fakultät

Auch die Betrachtung der Nutzergruppe und die Entwicklung der Nutzerzahlen über den Untersuchungszeitraum hinweg ist ein wesentlicher Aspekt im Vorfeld der eigentlichen Analyse. Im Untersuchungszeitraum hat sich die Nutzerzahl um fast 70% von 74 im Jahr 2011 auf 123 im Jahr 2015 erhöht. Der Grund hierfür ist die wachsende Bedeutung der Faktendaten für Wissenschaftler aus den Fachbereichen jenseits von Finanzierungslehre, Wirtschaftsprüfung und Steuerlehre.

 

 

Entwicklung der Nutzeranzahl

Entwicklung der Nutzeranzahl

Verteilung der Nutzergruppen

Verteilung der Nutzergruppen

Für die Analyse der Nutzung der Faktendatenbanken wird auf Reports der Datenbankanbieter zurückgegriffen – sofern diese zur Verfügung stehen. Die verwendeten Reports entsprechen nur zum Teil dem De-facto-Standard für Nutzungsstatistiken elektronischer Produkte COUNTER (Counting Online Usage of NeTworked Electronic Resources), der für Datenbankreports (DB1) die Zahl der Suchen, Klicks in Resultate und Zugriff auf Datensätze je Monat und Datenbank vorgibt. Dieser Umstand beeinträchtigt im vorliegenden Fall die Vergleichbarkeit der Daten untereinander. Da jedoch für 85% der Datenbanken in sich konsistente Reports vorliegen, wird aufgrund dieser Datenbasis die Nutzungsanalyse gestartet und die entsprechende Bewertung vorgenommen. Ein Gesamtfazit für das komplette Faktendatenbankportfolio kann jedoch auf dieser Grundlage nur eingeschränkt gezogen werden.

Folgende Kenngrößen wurden untersucht:

Anhand von Diagrammen wird die Nutzung jeder einzelnen Datenbank im Untersuchungszeitraum dargestellt. Da das Verhältnis von Webqueries zu Datenvolumen über den Untersuchungszeitraum stark variiert, werden beide Parameter auf die einzelnen Datenbanken angewandt.

Die blauen Säulen weisen die Webqueries (bzw. total searches) für jede Datenbank aus, die roten Linien zeigen die prozentuale Zu- oder Abnahme der Nutzung über den Untersuchungszeitraum hinweg. Ausgangspunkt hierfür ist jeweils das Jahr 2011.

Nutzungsentwicklung: CRSP US Stock

Nutzungsentwicklung: CRSP US Stock

 

Nutzungsentwicklung: gesamtes Datenbankportfolio

Nutzungsentwicklung: gesamtes Datenbankportfolio

Die Interpretation der Ergebnisse der Nutzungsanalyse lässt nur eingeschränkt eine qualitative Bewertung von Nutzung und Zusammensetzung des Faktendatenbankportfolios zu. Erstens ist es schwer von den verschiedenen Datenbankanbietern konsistente und vergleichbare Nutzungszahlen zu erhalten. Zweitens ist die Informationsressource Faktendatenbank in ihrer Ausprägung sehr heterogen – was wiederum die Vergleichbarkeit der Ressource an sich erschwert. Und drittens bergen Nutzungsstatistiken in sich Unwägbarkeiten (wird durch die Nutzung einer Informationsressource irgendein Informationsbedürfnis gestillt?).

Auch wenn nicht unmittelbar Aussagen zur Bestandsqualität gemacht werden können, so ist die Nutzungsanalyse dennoch ein wichtiges Instrument, das interne Entscheidungsprozesse unterstützen und die Grundlage für einen ausführlichen Dialog mit den Fachwissenschaftlern bilden kann.

Die praktische Fortführung der durchgeführten Nutzungsanalyse kann z.B. ein regelmäßig stattfindendes Audit unter der Leitung der Bibliothek sein, zu dem alle (oder einzelne) Nutzer der Faktendatenbanken eingeladen werden. Es kann so der direkte Austausch über die Qualität des Datenbankportfolios stattfinden. Denkbar ist auch ein standardisierter Fragebogen mit konkreten Fragestellungen zu einzelnen Lizenzen, der an die Nutzer der Faktendatenbanken verteilt wird. Hier kann direkt auf die – durch die Nutzungsanalyse identifizierten – Verbesserungspotentiale eigegangen werden. In welcher Form auch immer die Fortführung stattfindet, wichtig ist und bleibt die Kommunikation zwischen Forscher und Bibliothekar.

Profil Margit Schön

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