HIT THE SHELF – Innovationsmanagement in einer Kunstbibliothek

von Nicole Döll

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Bibliothekare als Co-Kuratoren einer Ausstellung?

Begleitend zur Ausstellungsreihe „Travestie für Fortgeschrittene“ (27. März – 11. Oktober 2015) der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig (GfZK) realisierte die Kunstbibliothek der GfZK erfolgreich die ausstellungsbegleitende Projektreihe HIT THE SHELF.

Die Idee war es Inhalte der Ausstellung mit Büchern zu verbinden. Teilnehmende Künstler wurden dazu eingeladen aus den Beständen der Bibliothek eine Auswahl für das Projekt zu treffen. Parallel zu den einzelnen Beiträgen der Ausstellung entstanden in der Bibliothek somit Material-Collagen, die einen weiteren Referenzrahmen für die künstlerischen Ansätze der Künstler eröffneten.

Innovativ an dem vom Bibliothekspersonal entwickelten Konzept ist die Kooperation mit den aktuellen Ausstellungsformaten der GfZK. Die größere Wahrnehmung und Nutzung der Kunstbibliothek war ein wichtiges Ziel des Praxisprojektes (im MALIS-Studiengang der TH Köln unter der Betreuung von Prof. Dr. Ursula Georgy) aber auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Bestand transparent zu machen.

 

Detail HIT THE SHELF Maskerade konzipiert von NAF (Nana Hülsewig, Fender Schrade. Foto: Matthias Ritzmann)

Detail „HIT THE SHELF Maskerade“ konzipiert von NAF (Nana Hülsewig, Fender Schrade. Foto: Matthias Ritzmann)

Dabei diente die Idee des Handapparates als Ausgangspunkt für die Entwicklung des Projektkonzeptes. Inhaltlich unterscheidet sich HIT THE SHELF vom herkömmlichen Handapparat darin, dass nicht die Institution oder Lehrende die Inhalte erstellt haben, sondern eingeladene Künstler in Kooperation mit dem Bibliothekspersonal.

Versteckte Papierschmetterlinge der Künstler von HIT THE SHELF Maskerade

Versteckte Papierschmetterlinge der Künstler von „HIT THE SHELF Maskerade“ (Foto: Matthias Ritzmann)

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Der Name des Projektes wurde ebenfalls während der Konzeptionsphase vom Bibliotheksteam erarbeitet. Wichtig war dabei der Gedanke eines einprägsamen Titels und eines dazugehörigen Logos, das durch einen externen Grafiker realisiert wurde. Es soll für den Besucher auf die Bibliothek aufmerksam machen und den Wiedererkennungswert steigern.

Für die Planung jeder dieser Ausstellungskooperationen standen folgende Punkte im Mittelpunkt: die inhaltliche Konzeption, der Aufbau, die Öffentlichkeitsarbeit, die Vermittlung und die analoge wie auch digitale Dokumentation.

Die Zielgruppe des Projektes ist heterogen – Kunstinteressierte, im Kunstkontext Arbeitende, Studierende künstlerischer und interdisziplinärer Fachbereiche, Bibliotheksbenutzer.

HIT THE SHELF zeigt auf, dass eine Bibliothek neben funktionalen Aufgaben, wie Informationszugang, Medienkompetenz und attraktiver Arbeitsortgestaltung, auch andere Qualitäten aus sich heraus entwickeln kann. Grundlage hierfür bildet die innovative Arbeitsumgebung der Ausstellungsinstitution für zeitgenössische Kunst. Im Bereich der Kunst wird Innovation inhaltlich, personell und strukturell als gegeben angesehen und nicht als Neuheit wahrgenommen. Während im Kunstkontext Innovation und Kreativität als Arbeitsmittel alltäglich sind, gewinnen diese Begriffe in der Bibliothekswissenschaft immer mehr an Bedeutung.

Nach den ersten drei Folgen der Ausstellungsreihe wurde relativ kurzfristig eine HIT THE SHELF special EDITION zu der Ausstellung „ars viva – Preisträger 2016“ konzipiert, die sich mit dem Thema der Kunstförderung und dem ars viva-Preis auseinandersetzt.

Das Regal fungiert hier als Ausstellungsraum und zeigt eine Zusammenstellung von Künstlereditionen früherer ars viva-Preisträger und von themenbezogenen Publikationen aus den Beständen der Kunstbibliothek.

Detail aus HIT THE SHELF: special EDITION konzipiert von Larissa Franz, Julia Bokermann, Nicole Döll und Vera Lauf

Detail aus HIT THE SHELF: special EDITION konzipiert von Larissa Franz, Julia Bokermann, Nicole Döll und Vera Lauf (Foto: Julia Bokermann)

Um das Potenzial von HIT THE SHELF weiter zu entfalten, hat sich das Bibliotheksteam entschlossen auch in Zukunft an diesem Format zu arbeiten. Die sich verändernden Inhalte der Ausstellungen machen es möglich, sich innovativ mit dieser Projektreihe auseinanderzusetzen und das Format passend zur Ausstellung zu verändern.

So befand sich der Standort der vergangenen Ausgabe „HIT THE SHELF Porträt“ in der Ausstellung „I’ll be your mirror – Screen Tests von Andy Warhol“ (3. Juni – 11. September 2016) direkt im Ausstellungsraum und nicht mehr in der Bibliothek. Das bedeutet, die Bibliothek wurde ein aktiver Teil der Ausstellung und war sichtbar im Ausstellungsbetrieb vertreten. Die Inhalte des Regals wurden zum Thema der Ausstellung von Heike Geißler (eine teilnehmende Künstlerin der Ausstellung) und Vera Lauf (Bibliothek) zusammengestellt. Kombiniert wurden die Publikationen mit einem Audiostück, das durch Kopfhörer aus dem Regal heraus hörbar gemacht wurde.

"HIT THE SHELF Porträt" in der Ausstellung „I'll Be Your Mirror Screen Tests von Andy Warhol"

„HIT THE SHELF Porträt“ in der Ausstellung „I`ll Be Your Mirror Screen Tests von Andy Warhol“ (Foto: Wenzel Stählin)

HIT THE SHELF war und ist ein Experiment der Bibliothek der GfZK. Die Projektleitung betrachtet dieses Projekt als work in progress und man darf gespannt sein, wie es weitergehen wird.

Nähere Informationen über die einzelnen Teile des Projektes HIT THE SHELF finden Sie hier: http://gfzk.de/aktivitaeten/projekte/

Einen ausführlichen Artikel „Creating digital spaces – Die Transformation der Bibliothek Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig“ wird in den AKMB-news 2017,1 veröffentlicht. Den Vorabdruck finden Sie auf PubLIS Cologne.

Profil Nicole Döll

 

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