Blended Learning als Konzept im Forschungsdatenmanagement

von Daniela Hausen und Jürgen Windeck

Planungsraster (Ausschnitt)

Forschungsdatenmanagement (FDM) ist ein stark in den Fokus der Forschenden gerücktes Thema, da u.a. Forschungsförderer wie die Europäische Kommission oder die Deutsche Forschungsgemeinschaft verstärkt einen FAIRen Umgang mit den Daten erwarten. Viele Forschende stellen sich die Fragen: Was genau bedeutet Forschungsdatenmanagement? Was muss ich beachten? Welche neuen Aufgaben sind mit FDM verbunden? Dieser Fragen der Forschenden müssen sich Bibliotheken, Rechenzentren und Fachcommunities annehmen und eine adäquate Unterstützung schaffen.

Diese erfolgt z.B. durch Infrastruktur-, Beratungs- und/ oder Weiterbildungsangebote, die jeweils sehr verschieden ausgestaltet sind. Welches der Angebote angenommen wird, ist teilweise sehr individuell vom Forschenden abhängig. Häufig angeboten und genutzt sind die Weiterbildungsangebote, die auf sehr variable Weise wie Präsenzveranstaltungen, Foliensätze, Filme oder Texte als eLearning bereitgestellt werden. Dabei weisen sowohl reine Präsenzveranstaltungen wie auch reines eLearning Vor- und Nachteile auf, die bei einem Blended Learning Kurs ausgebaut bzw. gemindert werden können.

An der RWTH Aachen University wurden im Projekt „Forschungsdatenmanagement an der RWTH Aachen“ die Bausteine Awareness und Akzeptanz, Beratung, Weiterbildung und technische Unterstützung identifiziert, weiterentwickelt und Ende 2017 verstetigt. Bereits vor dem Projekt wurden Basiskurse für Forschende zum Forschungsdatenmanagement angeboten. Die Evaluation der Kurse und die Erfahrungen der Referentinnen und Referenten zeigten, dass eine Neustrukturierung des Kursprogramms erforderlich war. Häufige Kritikpunkte und Wünsche waren die Reduktion der theoretischen Ausrichtung und der Redundanzen in den einzelnen Kursen sowie eine Erhöhung der Best Practice Beispiele und allgemeine Empfehlungen für die eigene Datenhaltung. Die Evaluation, die Erfahrungen sowie die Kritikpunkte und Wünsche flossen in die weitere Gestaltung des Kursprogramms.

Im Rahmen des MALIS-Praxisprojekts (unter der Betreuung von Prof. Dr. Achim Oßwald) wurde ein Konzept und Inhalte für einen Blended Learning Kurs erarbeitet. Durch einen Flipped Classroom-Ansatz, bei dem die bloße Inhaltsvermittlung in eine vorgeschaltete Online-Lernphase ausgelagert wird, wurde in der Präsenzphase die notwendige Zeit gewonnen, die sich die Forschenden für Übungen und Diskussionen wünschen. Zusätzlich ist in dem neuen Konzept die Abhängigkeit der Präsenzphase von der Onlinephase definiert. So wird ein gemeinsamer Wissensstand geschaffen, wodurch Redundanzen aufgehoben werden.

Die Planung der Online- und Präsenzphase wurde mittels des Planungsrasters vorgenommen. Dieses enthält jeweils verschiedene Elemente wie Videos, Texte, Graphiken, usw. in der Onlinephase sowie unterschiedliche Übungen, Live-Demonstrationen und Folien für die Einführung in der Präsenzphase, damit der Teilnehmende möglichst aktiv und interessiert die Schulungen durchläuft und abschließt.

Planungsraster

Die Onlinephase wird ca. eine Woche vor dem Praxisworkshop im RWTH-eigenen Moodle für die Teilnehmenden freigeschaltet und ist mit einer Bearbeitungszeit von 120 Minuten angesetzt. Nach einer allgemeinen Einführung können sich die Forschenden zu den Bereichen Datenmanagementplan, Datenbeschreibung, -organisation und –austausch sowie Archivieren und Publizieren mittels Videos, Grafiken und Texten in beliebiger Reihenfolge informieren. SpeakUp bietet den Forschenden bereits in dieser Phase die Möglichkeit, Fragen an die Dozent*innen für den anschließenden Präsenzworkshop zu stellen. Dies erlaubt es den Dozent*innen, die Inhalte des Präsenzworkshops an die Wünsche der Teilnehmenden anzupassen und Schwerpunkte zu setzen. Um Ideen, Fragen und mögliche Lösungen festzuhalten, steht den Teilnehmenden bereits in dieser Phase ihr persönlicher Handlungsleitfaden zur Verfügung, der sich am Datenlebenzyklus orientiert und im Workshop weitergeführt werden soll.  Als Abschluss wird ein kurzer Selbsttest über alle Bereiche angeboten, der den Forschenden mögliche Lücken aufzeigen soll, so dass einzelne Stellen gezielt wiederholt werden können.

Der ganztägige Präsenzworkshop legt den Fokus auf die Praxis und den Austausch. Letzterer ist für die Forschenden wichtig, da sich in vielen Fachdisziplinen Standards zur Datenorganisation und -beschreibung gerade erst entwickeln, und Best Practices nur in Teilen zur Verfügung stehen. Durch den Austausch mit anderen Herangehensweisen werden Vor- und Nachteile diskutiert und eigene Lösungen erarbeitet. Die Nutzung entsprechender Werkzeuge wie re3data.org zur Suche von Repositorien, RDMO für die Erstellung von Datenmanagementplänen oder GitLab zur Versionierung wird ebenfalls eingeübt. Auch von der RWTH entwickelte Tools wie SimpleArchive oder das Metadatentool werden in einer kurzen Übung sowie durch ein Beispiel vertieft. Die Inhalte werden an den Interessen der Teilnehmenden ausgerichtet. In jedem Abschnitt wird Zeit zum Ausfüllen des Handlungsleitfadens eingeräumt, so dass am Ende des Kurses die Teilnehmenden ihren persönlichen „Fahrplan“ für ihr weiteres Datenmanagement mitnehmen.

Verbindende Elemente der Online- und Präsenzphase sind z.B. das Audience Response Systems SpeakUp, wo ein Raum zum Austausch und für Fragen bereitgestellt wird, sowie der FDM-Handlungsleitfaden, ein Werkzeug, das den Forschenden bei der Planung ihrer weiteren Schritte behilflich sein soll.

Das beschriebene Konzept wird seit April 2018 an der RWTH erprobt, wobei die Inhalte der Onlinephase bis zur Fertigstellung des Moodle-Kurses zunächst als zweistündiger Präsenzworkshop angeboten werden. Das Konzept des Workshops ist flexibel gestaltet, so dass in Zukunft auch mehr fachlich ausgerichtete Veranstaltungen möglich sind. Wie die im Workshop gestartete Vernetzung der Forschenden auch im Anschluss weiterhin gefördert werden kann, ist eine zukünftige Aufgabe für das Forschungsdatenmanagement-Team an der RWTH Aachen.

Eine Ausführliche Beschreibung des Workshops ist in o-bib Heft 3, 2018 unter https://doi.org/10.5282/o-bib/2018H3S17-31 zu finden.

Projektzeitraum 01.03.2017 bis 31.08.2017

Profil Daniela Hausen

Profil Jürgen Windeck

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