{"id":2160,"date":"2025-04-02T15:02:35","date_gmt":"2025-04-02T15:02:35","guid":{"rendered":"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/?p=2160"},"modified":"2025-04-02T15:02:35","modified_gmt":"2025-04-02T15:02:35","slug":"gestohlene-geschichten-ein-wiederholbares-vermittlungskonzept-zu-ns-raubgut-fuer-die-ulb-darmstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/gestohlene-geschichten-ein-wiederholbares-vermittlungskonzept-zu-ns-raubgut-fuer-die-ulb-darmstadt\/","title":{"rendered":"Gestohlene Geschichte(n) \u2013 ein wiederholbares Vermittlungskonzept zu NS-Raubgut f\u00fcr die ULB Darmstadt"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Ellen Wendel<\/strong><\/p>\n<figure style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2161\" src=\"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild1-300x158.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild1-300x158.jpg 300w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild1-1024x538.jpg 1024w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild1-768x403.jpg 768w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Grafik f\u00fcr die Infoscreens (Quelle: ULB Darmstadt | Zoe Liebig)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>79 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur sind Beweise f\u00fcr nationalsozialistische Verbrechen in deutschen Bibliotheksregalen aufsp\u00fcrbar. Alltagsobjekte wie B\u00fccher sind stille Zeugen des organisierten NS-Kulturgutraubs. Ihre Eigent\u00fcmer*innen, Privatpersonen wie Institutionen, wurden aus rassistischen, politischen, religi\u00f6sen oder weltanschaulichen Gr\u00fcnden verfolgt, verboten oder teilweise systematisch ermordet.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Verabschiedung der Washingtoner Prinzipien und der gemeinsamen Erkl\u00e4rung 1999 verpflichteten sich deutsche Ged\u00e4chtnisinstitutionen, ihre Best\u00e4nde auf NS-Raubgut hin zu \u00fcberpr\u00fcfen. Identifizierte Objekte sollen an die Verfolgten oder ihre Erb*innen restituiert werden oder es soll mit ihnen nach gerechten und fairen L\u00f6sungen gesucht werden. Bis auf wenige Ausnahmen erfolgen diese Bem\u00fchungen als zeitlich begrenzte Drittmittelprojekte. Die Gefahr ist gro\u00df, dass Bibliotheken die Vermittlung der NS-Verbrechen ebenfalls nur als ein vor\u00fcbergehendes Projekt sehen \u2013 eine Episode im Arbeitsalltag, die schnell in Vergessenheit geraten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dies zu verhindern, wurde ein interaktiver Workshop erstellt, der auch nach dem Abschluss des Forschungsprojekts an der ULB Darmstadt durch projektfremde Mitarbeiter*innen nachnutzbar sein wird. Dieser soll zeigen, dass Bibliotheken aus den Erkenntnissen ihrer Provenienzforschungsprojekte heraus das Potenzial besitzen, sich st\u00e4rker als Ort der Erinnerungskultur zu positionieren. Ansprechbar w\u00e4ren damit geschichtsinteressierte Zielgruppen wie Schulen, Fachinstitute, (Regional-)Nutzer*innen oder auch die bibliotheksfremde \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zentrum des Workshops \u201eGestohlene Geschichte(n) \u2013 wie gelangte NS-Raubgut in die Best\u00e4nde der heutigen ULB Darmstadt?\u201c stand die Interaktion der Teilnehmer*innen mit den physischen Objekten. Im Wechsel zwischen eigenst\u00e4ndiger praktischer Detektivarbeit an den Raubgutf\u00e4llen und Vortr\u00e4gen zur Kontextualisierung der gerade selbst festgestellten Provenienzmerkmale und der sp\u00e4teren \u00dcberpr\u00fcfung der Zugangsb\u00fccher der Bibliothek sollte vermittelt werden, welche B\u00fccher gestohlen wurden und wie diese in den Bestand der damaligen Landesbibliothek kamen \u2013 sowohl vor als auch nach dem Jahr 1945.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um dies zu illustrieren, wurden f\u00fcr die Untersuchung durch die Teilnehmer*innen<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>ein Buch aus dem Verfolgungskontext Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg,<\/li>\n<li>ein regionales Beispiel f\u00fcr beschlagnahmte kommunistische Literatur,<\/li>\n<li>ein Buch aus dem Besitz der j\u00fcdischen Familie Homberger aus Darmstadt,<\/li>\n<li>ein Buch aus einer Milit\u00e4rbibliothek, welches den Umgang mit NS-Raubgut in der Nachkriegszeit zeigt,<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2162\" aria-describedby=\"caption-attachment-2162\" style=\"width: 668px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2162\" src=\"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-248x300.jpg\" alt=\"\" width=\"668\" height=\"807\" srcset=\"https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-248x300.jpg 248w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-848x1024.jpg 848w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-768x927.jpg 768w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-1272x1536.jpg 1272w, https:\/\/malisprojekte.web.th-koeln.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wendel_bild2-1696x2048.jpg 1696w\" sizes=\"auto, (max-width: 668px) 100vw, 668px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2162\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: NS-Raubgut vor Zugangsb\u00fcchern (Quelle: Ellen Wendel)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach umfangreichen Werbema\u00dfnahmen mit Postern, Social-Media-Postings, und Blogeintr\u00e4gen war das Interesse so gro\u00df, dass die Workshoppl\u00e4tze von 10 auf 15 erh\u00f6ht wurden \u2013 wobei nicht alle Anmeldungen, die auch aus der geplanten breiten Zielgruppe stammten, ber\u00fccksichtigt werden konnten. Der Workshop erwies sich demnach als ein wichtiger Startimpuls f\u00fcr die nachhaltige Vermittlung der Geschichte von NS-Raubgut im Bibliotheksbestand an der ULB Darmstadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine umfangreichere Darstellung des Projektes findet sich unter:<br \/>\nWendel, E. (2025). Gestohlene Geschichte(n): Ein wiederholbares Vermittlungskonzept zu NS-Raubgut f\u00fcr die ULB Darmstadt. <em>O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal Herausgeber VDB, 12<\/em>(1), 1-11. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5282\/o-bib\/6137\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.5282\/o-bib\/6137<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Projektzeitraum: M\u00e4rz 2024 \u2013 August 2024<br \/>\nProjektbetreuer*in: Prof. Dr. Claudia Frick<br \/>\nKontakt: ellen.wendel@tu-darmstadt.de | <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0009-0002-4952-107X\">https:\/\/orcid.org\/0009-0002-4952-107X<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Ellen Wendel 79 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur sind Beweise f\u00fcr nationalsozialistische Verbrechen in deutschen Bibliotheksregalen aufsp\u00fcrbar. Alltagsobjekte wie B\u00fccher sind stille Zeugen des organisierten NS-Kulturgutraubs. 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